Unglaublich klang die Nachricht, fast surreal, vom plötzlichen Tod Michael Jacksons am 25. Juni. Es war um Mitternacht, als ich per Radio von der Eilmeldung erfuhr, Jackson sei mit Herzstillstand in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Neugierig switchte ich mich durch die Sender und blieb schließlich noch eine ganze Stunde länger wach, bis ich endlich sicher war: der King of Pop ist soeben verstorben. Doch wie kann ein Mensch ableben, der eigentlich schon seit Jahren nicht mehr am Leben war? Das Gesicht zur bleichen Maske erstarrt, meistens verhüllt und kraftlos in die Kamera winkend: So kannten wir Michael Jackson nun schon seit Jahren. Welche seelischen Qualen muss ein Mensch durchlitten haben, der sich freiwillig – zumindest nach Aussage der Medien – über 50 kosmetischen Operationen unterzogen hat?
Doch das vermeintliche Innenleben des Künstlers tritt in den Hintergrund, wenn man des Oeuvre betrachtet, das er der Musikwelt hinterlassen hat! Vierzig Jahre war er als Solointerpret erfolgreich, seine Alben, allen voran Thriller, kann man ohne Zögern als Meilensteine der Musikgeschichte bezeichnen! Sein selbst kreierter Tanzstil begeisterte die Massen in den Achtziger Jahren. Er selbst wurde nicht müde, uns mit der Verve und Kreativität eines Kindes immer neue Inszenierungen seiner Musik vorzuführen. Teilweise wird sogar behauptet, Michael Jackson habe den Videoclip erfunden (http://www.sueddeutsche.de/kultur/57/474570/text/).
Fest steht, er war einer der Ersten, die es verstanden, ihre Musik mit ungeheurem Aufwand ins Bild umzusetzen. Seine Videos stecken voller Überraschungen: Mal verwandelt sich Jackson in einen Panther, mal steht der Sänger in der afrikanischen Steppe, umringt von wilden Tieren, mal sitzt er inmitten von Straftätern in einer Gefängniskantine, mal findet er sich vor der Kulisse eines Film Noir wieder.
Der König ist tot, es lebe der König? Nun, fest steht, einen zweiten Michael Jackson wird es in dieser Form nicht geben. Er war ein Kind seiner Zeit und die Umstände waren günstig. Dennoch wird er uns allen in Erinnerung bleiben als einer der größten Interpreten der Neuzeit, als einsamer Tänzer, der mit schlafwandlerischer Sicherheit die Gesetze der Schwerkraft zu überwinden suchte …