wer sich mit aktueller popmusik in deutschland beschäftigt, kommt an den fantastischen vier nicht vorbei. textlich, musikalisch, soziologisch.

So ist es auf der offiziellen Website der Gruppe “Die Fantastischen Vier” aus Stuttgart zu lesen, deren Mitglieder sich vor rund 20 Jahren formiert haben, um gemeinsam Rapmusik zu machen. Englischsprachige Rapmusik, das war seit den Zeiten der “Sugarhill Gang” Ende der Siebziger Jahre nichts Neues mehr. Aber Hip Hop mit deutschen Texten? Passt das überhaupt zusammen? Ihre Fans meinen: ja! Der erste Auftritt im Juli 1989 fand zwar noch vor einem Publikum von nur 40 Leuten statt. Der große Durchbruch kam aber, und zwar drei Jahre später mit dem Titel Die Da?! und die Zeichen der Zeit für deutschsprachigen Rap standen günstig. Das zeigte sich noch einmal zum 10jährigen Bestehen der Formation in dem wortwitzgewaltigen Stück MfG – mit freundlichen Grüßen.

Auch die französische Formation “Alliance Ethnik” zeigte uns mit dem Titel Respect (1995), dass Rapmusik in der eigenen Landessprache sich durchaus als hörbar erweist. Das typische Gepräge des “Rap français” kann hier gegenüber dem deutschen Rap gut herausgehört werden.

Inzwischen ist der Deutsch-Rap auch bis in die letzten Winkel der Straßenszene Berlins vorgedrungen, was ein selbstgedrehtes Video in breitem Berlinerisch beweist, das vor ein paar Jahren im Internet furore machte.

http://www.myvideo.de/watch/5521527/Icke_Er_Richtig_geil

“Righeira” war ein italienisches Popduo, das zu Beginn der Achtziger Jahre gegründet wurde. Die Liedtexte wurden von den Sängern in ihrer Muttersprache aber auch auf Spanisch gesungen. Die Musik ist dem heute noch gängigen Italo-Disco-Stil zuzuordnen, dessen Produktionen in den 80ern und frühen 90ern sehr erfolgreich waren. Über die Landesgrenzen hinaus wurden “Righeira” ironischerweise gerade mit zwei Liedern in spanischer Sprache aus den Jahren 1983 und 1984 bekannt. Das erste Lied handelt von der Aufforderung, nach der Explosion einer Atombombe an den Strand zu gehen. Dort soll man sich durch die auftretende Strahlung nicht nur eine “Bräunung” in blauer Farbe holen, sondern sich auch gegen den radioaktiven Wind schützen, der die Haare kräuselt. Die Gemeinsamkeiten mit einigen Liedern der Neuen Deutschen Welle, deren Texte sich teilweise mit der drohenden Gefahr einer atomaren Auseinandersetzung beschäftigten, sind hier unübersehbar. Das spätere Lied handelt von dem allseits verbreiteten Wunsch, in Reichtum zu schwelgen.

Hier einige meiner persönlichen Favoriten der 80er Jahre, des Jahrzehnts der gefühlvollsten Balladen :-)

38 Special mit der Single “Second Chance” (1989) sollen den Anfang machen (bekannte Sequenz ab 1:52):

Unvergessen, unvergleichlich: Alison Moyet, Is This Love (1986)

Trotz Stachelfrisur war Paul Young bekannt für die weicheren Töne: Every Time You Go Away (1985)

For a better understanding. Und für ein friedliches Zusammenleben von Schwarz und Weiß: Ebony and Ivory (1982)

Melodisch, melodischer, Michael. Hier in einer Demo-Version: The Girl is Mine (1982)

Africa is everywhere. Für die Popmusik der Gegenwart und der letzten Jahrzehnte ist dieser Satz in besonderer Weise zutreffend. Auf allen Kontinenten tanzen die Menschen heute zu einer Musik, deren Wurzeln in Afrika zu suchen sind. Die Tanzformen Lateinamerikas wurden entwickelt aus den Trommlerrhythmen von dort siedelnden Menschen afrikanischer Abstammung; Afrikastämmige Jamaikaner haben den Reggae aus Relikten der heimischen Volksmusik geschaffen; Afroamerikaner, die Nachfahren versklavter Völker, besonders aus dem Westen Afrikas, kreierten ihre eigene Form von Musik, die sich schließlich in vielen verschiedenen Sub-typen und Abwandlungen des Gospel, des Ragtime, des Boogie-Woogie und des Blues niederschlug. Doch der Reihe nach.

Im Nordamerika des 19. Jahrhunderts wurde bei Menschen afroamerikanischer Herkunft erstmals eine volkstümliche Musik dokumentiert, die sich frei von den Einflüssen großer Oper und klassischer Musik aus Europa hatte entwickeln können. Seit Ende des Jahrhunderts begann der sogenannte Ragtime immer populärer zu werden, dessen Ableger Jass später Jazz genannt wurde. In den Südstaaten setzte sich die Form des zwölftaktigen Blues durch, begünstigt durch das harte Leben der Arbeiter auf den Plantagen und den anhaltenden starken Rassismus in dieser Region. In den 20er Jahren erfuhr diese Musikform v.a. mit Sängerinnen eine regelrechte Modewelle. Gleichzeitig etablierten sich in den wohlhabenderen Schichten der Städte im Norden erste Big Bands, die fortan den Swing und den Boogie (30er Jahre) salonfähig machten.

Wirklich großen Einfluss sollte jedoch ein Musikgenre haben, das unter den schwarzen Einwanderern ganz im Westen in L.A. entstand und das auch den Grundstein für die moderne Pop-Musik legte: Der Rhythm n Blues (R&B).  Als maßgebliche Einflüsse gelten hierfür einerseits die intuitivere Musik aus dem Südwesten der USA, die vor allem wegen des Einsatzes „heulender“ Saxophone und elektrisch verstärkter Gitarren bekannt war, andererseits die künstlich arrangierte Big Band-Musik aus dem Osten. Rückblickend konnte sich diese Musik nur in einer relativen ökonomischen Sicherheit und inmitten räumlicher Rassentrennung ausbilden.

Seit den 50er Jahren begannen vermehrt weiße Interpreten wie Bill Haley und Elvis Presley Musikstücke schwarzer Interpreten (Joe Turner, Willie Mae Thornton) zu kopieren und zu modifizieren bzw. mit anderen genuin weißen Musikformen (z.B. Country) zu vermischen. Der R&B war wie ein roher Diamant: wild, ungeschliffen und nachträglich durch die weiße Musikindustrie glattpoliert. Ob er erst dadurch zum Funkeln gebracht wurde, bleibt dahingestellt. Fakt ist aber, dass ein Funke dieses ursprünglich afrikanischen Elements in sehr vielen modernen Popsongs , wenn auch oft nur in winzigen Portionen, weiter fortlebt.

Aus gegebenem Anlass: 40 Jahre Mondlandung. Weiter so!

Unglaublich klang die Nachricht, fast surreal, vom plötzlichen Tod Michael Jacksons am 25. Juni. Es war um Mitternacht, als ich per Radio von der Eilmeldung erfuhr, Jackson sei mit Herzstillstand in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Neugierig switchte ich mich durch die Sender und blieb schließlich noch eine ganze Stunde länger wach, bis ich endlich sicher war: der King of Pop ist soeben verstorben. Doch wie kann ein Mensch ableben, der eigentlich schon seit Jahren nicht mehr am Leben war? Das Gesicht zur bleichen Maske erstarrt, meistens verhüllt und kraftlos in die Kamera winkend: So kannten wir Michael Jackson nun schon seit Jahren. Welche seelischen Qualen muss ein Mensch durchlitten haben, der sich freiwillig – zumindest nach Aussage der Medien – über 50 kosmetischen Operationen unterzogen hat?

Doch das vermeintliche Innenleben des Künstlers tritt in den Hintergrund, wenn man des Oeuvre betrachtet, das er der Musikwelt hinterlassen hat! Vierzig Jahre war er als Solointerpret erfolgreich, seine Alben, allen voran Thriller, kann man ohne Zögern als Meilensteine der Musikgeschichte bezeichnen! Sein selbst kreierter Tanzstil begeisterte die Massen in den Achtziger Jahren. Er selbst wurde nicht müde, uns mit der Verve und Kreativität eines Kindes immer neue Inszenierungen seiner Musik vorzuführen. Teilweise wird sogar behauptet, Michael Jackson habe den Videoclip erfunden (http://www.sueddeutsche.de/kultur/57/474570/text/).

Fest steht, er war einer der Ersten, die es verstanden, ihre Musik mit ungeheurem Aufwand ins Bild umzusetzen. Seine Videos stecken voller Überraschungen: Mal verwandelt sich Jackson in einen Panther, mal steht der Sänger in der afrikanischen Steppe, umringt von wilden Tieren, mal sitzt er inmitten von Straftätern in einer Gefängniskantine, mal findet er sich vor der Kulisse eines Film Noir wieder.

Der König ist tot, es lebe der König? Nun, fest steht, einen zweiten Michael Jackson wird es in dieser Form nicht geben. Er war ein Kind seiner Zeit und die Umstände waren günstig. Dennoch wird er uns allen in Erinnerung bleiben als einer der größten Interpreten der Neuzeit, als einsamer Tänzer, der mit schlafwandlerischer Sicherheit die Gesetze der Schwerkraft zu überwinden suchte …

Eine große Hungersnot in Äthiopien Anfang der 80er Jahre veranlasste eine Gruppe von Musikkünstlern (führend Bob Geldorf von den Boomtown Rats und Midge Ure) dazu, im Jahre 1984 das Benefizprojekt ‚Band Aid‘ ins Leben zu rufen.  Im Rahmen dieses Projektes wurde kurz vor Weihnachten 1984 ein Lied aufgenommen, das in der Folgezeit in mehreren Ländern die Spitze der Hitparaden erreichen sollte. Nach diesem Erfolg und einem Erlös von 8 Millionen Pfund schloss sich sogleich eine größere Gruppe internationaler Musiker der Bewegung an, die im Sommer des folgenden Jahres in das bis dahin größte Konzert in der Geschichte der Popmusik münden sollte: Ein Event mit dem schlichten Namen ‚Live Aid‘. Die Besonderheit dabei war zum einen die lange Liste der Teilnehmer und daraus folgend die Länge der Veranstaltung, die sich non stop über 16 Stunden hinzog, zum anderen auch der zeitlich abgestimmte Auftritt von Bands in Großbritannien (Wembley Stadion, London) und in den USA (Philadelphia). Dazwischen wurden Liveschaltungen u.a. nach Deutschland und Australien vorgenommen. Gleichzeitig war das Projekt ein riesiges Radio- und Fernsehereignis, das per Satellitenschaltung in viele Länder übertragen wurde und laufend Spendengelder einwarb. Fazit: Live Aid wurde eines der bedeutendsten Hilfsprojekte der Menschheitsgeschichte, das auch Jahrzehnte später noch nachhallen sollte. Kritiker betitelten es genauso schlicht wie sein Motto als The Greatest Show On Earth.

Auflistung aller Teilnehmer und Tracks mit visuellen Eindrücken zum Konzert: http://liveaid.free.fr/pages/liveaidtimesdetaileduk.html

u.a. Bericht des Initiators Bob Geldorf: http://www.bobgeldof.info/Charity/liveaid.html

further reading … http://www.herald.co.uk/local_info/live_aid.html#furtherhttp://www.live-aid.info

„Der letzte Tag von Woodstock begann mit dem Auftritt von Joe Cocker, der mit seiner bereits im Vorjahr erschienenen Coverversion des Beatles-Klassikers With a Little Help from My Friends den ersten großen Durchbruch in seiner Karriere erreichte. Nach dessen Auftritt setzte starker Regen und Sturm ein.“ So lautet ein Auszug aus dem Wikipedia-Artikel zum Musikfestival in Woodstock. Will man den plötzlichen Wetterumschwung als göttliches Zeichen deuten, so ist dieses eher als Fingerzeig für eine erfolgreiche Karriere aufzufassen, denn als nachdrücklicher Hinweis darauf, sofort mit dem Singen aufzuhören. Joe Cocker, von Beruf Gasinstallateur, ließ sich jedenfalls nicht davon abbringen, weiterhin Musik zu machen. Und einen guten Musikgeschmack wird man den Allmächtigen schließlich zutrauen dürfen!

Die Achtziger Jahre: Zeitalter des C 64, des Markenbewusstseins, der Fönfrisuren, aber auch das Jahrzehnt der Ostermärsche, der Anti-Atomkraft-Demos und der zynischen politischen Botschaften, die sich in den Liedtexten der NDW-Kultgruppen „Der Plan“ und „Geier Sturzflug“ wiederfinden. Sie handeln von der Auflehnung gegen staatliche Bevormundung, gegen die atomare Bedrohung zur Zeit des Kalten Krieges, die die Menschen kurz vor der Stationierung von nuklearen Mittelstreckenraketen in Deutschland auf die Straße bringt. Außerdem ist – aus heutiger Sicht befremdlich – von einer ernsthaften Entwicklung die Rede: Der massenhafte Einzug von Personalcomputern in die Privathaushalte. Die Angst geht um, sein Leben eines Tages nicht mehr ohne Technik meistern zu können.

 

“Queen”! Schrill, bunt, stilistisch variationsreich – wie man sie kennt. Bohemian Rhapsody ist ein ungewöhnlich langes Stück, das zunächst von der Plattenfirma in der Mitte gekürzt werden sollte. Erzählt wird der Monolog eines jungen Mannes, der einen Mord begangen hat, danach seine Mutter anruft und zuletzt in seiner Verzweiflung einen Pakt mit dem Teufel schließt. Großartig komponiert!

P.S. Gratis dazu gibts die Hasenzähne von Freddie Mercury … :-)

« Vorherige SeiteNächste Seite »

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.